SILBERVÖGEL
29.11.08


am SAMSTAG 29.11.2008, trafen die SILBERVOGEL* von WerK – Katja und Werner Nussbaumer im das möbel > das geschäft ein.

Die Nussbaumers waren da um uns auch ihr Buch – das „WerkBuch“ vorbei zu bringen.

Die SILBERVÖGEL
Die Nussbaumers: WerK

 

Darüber, ob am Anfang der „Silbervögel“ ein romantischer Blick auf einen durch

den blauen Himmel ziehenden Vogel oder Vogelschwarm stand, oder doch eine

jener unwiderlegbaren Kinderantworten bei „Alles was Flügel hat fliegt“

(„die ganzen Zettel und das Zeug, das auf und um euren Schreibtisch liegt“),

darüber sind sich Katja und Werner Nussbaumer mittlerweile uneins.

Aber das macht nichts. Wirklich nicht. Denn das Wiener Designer-Paar, das unter

dem Arbeitsnamen „WerK“ antritt und dessen Interpretationen zum Thema „Sitzen“

längst Einzug in die ständige Sammlung des Wiener MAK gefunden haben, ist

durch und durch pragmatisch. Und deswegen einfach stolz darauf, ein Wandregal

entwickelt, entworfen und – das vor allem – leistbar hergestellt zu haben, das

beide gleichberechtigt Deutungen zulässt.Der„Silbervogel“ ist beides – die Übersetzung der hochromantischen Metapher

von der schwerelosen Freiheit und der ästhetischen Leichtigkeit des Zugvogels aus

dem Blau des Himmels in den alltäglichen Büro-, Wohn- und Arbeitsbereich.

Und die durch und durch praktische, rationale, effiziente, ökonomische, universell

einsetz- und erweiterbare und daher hocheffiziente Antwort auf das, was das reale

Leben prägt, sobald der Alltag die Einrichtungsträume eingeholt hat: „Alles was

Flügel hat fliegt“ nämlich – und zwar kreuz und quer. Denn auch wenn diese Flügel

unsichtbar bleiben: der mehr (oder meist weniger) systematisch aufgebaute,

Stapel- und Stauraum fressende Papier- und Ordnerberg kommt. Immer und überall.

Die gängige Antwort darauf lautet Regal. Auch der WerK´sche „Silbervogel“

ist – streng genommen – nur ein Regal. Aber im Gegensatz zum üblichen, den

Raum vertikal und horizontal in strenge, schwere, rechteckige Waben unterteilenden,

wuchtigen Wandregal, ist der „Silbervogel“ leicht. Er zwängt den Raum,

sein Interieur und damit auch und seine Benutzer nicht in starre, geometrische

Raster, sondern entwirft ein Bild von Offenheit, Freiheit und

Freizügigkeit. So wie der Blick auf einen Vogelschwarm, der über

den Himmel zieht. Grenzen- und schwerelos.

Denn der „Silbervogel“ ist schwerelos. Er fliegt.

Er braucht weder Beine, noch Stützen noch

Steher: Der „Silbervogel“ ist die reduzierteste

denkbare Interpretation des Begriffes „Regal“ –

ein lediglich drei Millimeter dünnes, aber doch einen Meter langes Blatt

Aluminium, an der Wand dem Nussbaumers mit einem asymetrisch gesetzten, ganz

einfachen Doppelknick die Silhouette des fliegenden Vogels gaben.

Der Knick ist so einfach wie genial – und gleich in dreifacher Hinsicht der Trick

des „Silbervogels“.

Denn erstens definiert er den „Silbervogel“. Er macht ihn unverwechselbar – egal,

ob da ein einzelner Vogel an der Wand fliegt, oder ob ein Schwarm, ein ganzes

Geschwader, dicht an dicht, versetzt oder in Linie über die Wand zieht.

Zweitens gibt der Knick dem „Silbervogel“ Stabilität: Wie bei einem T-, U- oder

I-Profil wird durch ihn aus dem „unbehandelt“ so flexiblen, beweglichen und labilen

Metallstreifen ein tragfähiges, stabiles und verwindungssteifes Objekt, das

mühelos und ohne Wirkung zu zeigen, sogar die komplette Enzyklopädia Brittanica

trüge (obwohl es in der Praxis doch meist eine Mischung aus Büchern, Ordnern,

Mappen, Unterlagen, Blättern und Zeug sein wird).

Und drittens bringt der Knick Ordnung, Struktur und System ins Ablage-Chaos:

Rundes rollt nicht mehr davon – es liegt sicher in der Senke. Schmales fällt nicht

mehr um – es ruht souverän auf der Schräge. Oder es stützt sich – auf einem

„Silbervogel“ stehend – am Kiel des nächsten ab.

Der „Silbervogel“ fliegt. Leicht, frei und schwerelos.

So selbstverständlich, als wäre er immer schon

da gewesen. Nicht nur am Himmel – auch an

der Wand.


 

 

werk_silberv